Eine Reise ins Vergessen was zählt, ist der Augenblick

Demenz ist ein Muster von Symptomen, denen unterschiedliche Erkrankungen zugrunde liegen. Hauptmerkmal ist eine Verschlechterung der geistigen und körperlichen Kräfte. Das Gedächtnis ist meist besonders stark betroffen. Im weiteren Verlauf führen Demenzerkrankungen auch zu Einbussen auf der Gefühlsebene und im zwischenmenschlichen Bereich.

Die Diagnose einer Demenzerkrankung ist ein Schock, für Betroffene ebenso wie für ihre Angehörigen, ganz besonders, wenn die betroffene Person noch recht jung ist. Es ist schwer, da es oft der Beginn eines Weges ist, der zum Verlust der persönlichen Autonomie führt.

Zudem gleicht Pflegebedürftigkeit manchmal einem sozialen Stigma. Nicht selten sind FreundInnen und Bekannte überfordert und ziehen sich deshalb immer mehr zurück.

Und doch ist all dies kein Grund zum Resignieren. Denn nicht in jeder Hinsicht muss die Lebensqualität sinken. Menschen mit Demenz verlieren zusehends auch ihr Zeitgefühl und leben daher immer mehr im Augenblick. Sie sind sich ihrer Einbussen je länger je weniger bewusst. Sie reagieren sensibler auf die Stimmungen in ihrer Umgebung. Unter verständnisvollen Menschen, die sich an die Bedürfnisse der Betroffenen anpassen, können sie sich wohlfühlen, lachen und Freude empfinden. Deshalb kann die Lebensqualität auch in dieser Lebensphase zufriedenstellend und gut sein.

Wenn früh Klarheit über die Diagnose besteht, können Betroffene wichtige Entscheidungen über ihr weiteres Leben noch selber treffen, was von Angehörigen als grosse Entlastung erlebt werden kann. Von den Angehörigen wird viel erwartet. Deshalb ist es enorm wichtig, dass auch sie gut unterstützt werden.

Nicht nur das Leben der bedürftigen Personen ändert sich dramatisch. Auch PartnerInnen, Kinder und FreundInnen erleben Sorgen, Furcht und Verantwortung als belastend. Weit mehr als 70% der pflegebedürftigen Menschen werden zuhause betreut, oft von ihren Angehörigen. Dabei wird viel von den Angehörigen erwartet, häufig sind sie rund um die Uhr gefordert. Sie haben den immer schwieriger werdenden Alltag zu organisieren.

Der Umgang und das Leben mit an Demenz erkrankten Menschen erfordert viel Kraft und Geduld, etwa wenn die betroffene Person sich in ihrer Persönlichkeit stark verändert hat, aggressiv oder sehr verwirrt ist.

Die erste Anlaufstelle

Die Hausärztin, der Hausarzt
Memorykliniken für spezifische Abklärungen
«Infostelle Demenz» in Luzern und Sursee

Problembereiche lassen sich grob unterteilen in:

Anfangsphase

Was ist zu tun, wenn sich die ersten Schwierigkeiten zeigen?

Alltagsgestaltung

Wie und wo kann sich die betroffene Person möglichst wohlfühlen?

Kommunikation

Wie können sich Nahestehende und Betroffene möglichst gut verständigen?

Eigenständigkeit

Wie kann der bedürftige Mensch seine Autonomie am besten bewahren?

Persönlichkeitsveränderung

Wie können Angehörige mit herausforderndem Verhalten, starken Gefühlen wie Angst, Aggression oder mit Unruhe umgehen?

Überforderung

  • Wie hoch darf die Belastung für die Angehörigen sein?
  • Wie entgehen sie einem permanent schlechten Gewissen?
  • Wie viel Frustration ertragen sie?

Gar nicht selten vermeiden Betroffene und Angehörige ein offenes Gespräch. Manchmal darf auf Wunsch von Betroffenen auch nichts über die Krankheit nach aussen kommuniziert werden, was den Druck auf die Angehörigen massiv erhöht.

So schwer es auch fallen mag, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, so sinnvoll ist es jedoch, schon rasch eine Ärztin, einen Arzt aufzusuchen. Je früher dies geschieht, desto eher lassen sich Beschwerden noch lindern oder Verschlechterungen mit Hilfsmitteln, Medikamenten oder therapeutischen Massnahmen verlangsamen und die Pflegebedürftigkeit hinauszögern. Entgegen den Befürchtungen wird eine klare Diagnose häufig als Entlastung erlebt. Denn nur wenn Klarheit über die Ursache von Beschwerden besteht, lassen sich Missverständnisse und Schuldzuweisungen vermeiden.

Überforderung ist kein Makel! Irgendwann kommen wir alle an unsere Grenzen: die Mischung aus Angst, Wut, Trauer und Frustration kann sogar Mitgefühl und Zuneigung verdrängen. Auch Angehörige können krank werden. Daher sollte jede Person, die einen Menschen betreut, insbesondere einen Menschen mit Demenz, gut auf die eigene Gesundheit achten und nicht zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es zur Entlastung, in Selbsthilfegruppen oder bei mir als spezialisierter Psychologin.

Ich freue mich, wenn ich Sie in diesem wichtigen Bereich unterstützen darf.

TESTIMONIAL

«Frau Manuela Bleichenbacher hat meine Lebenspartnerin in ihrer Demenzerkrankung über mehr als vier Jahre begleitet und sie auch im Pflegeheim regelmässig besucht. Irgendwie hat sie immer einen Weg gefunden, sich einzufühlen und auf sie einzugehen, obschon meine Partnerin schon lange nicht mehr sprechen konnte.

Mich hat sie in den letzten Monaten der Krankheit und beim Sterben meiner Lebenspartnerin einfühlsam begleitet und unterstützt. Sie war mir in dieser schwierigen und herausfordernden Zeit eine grosse Stütze. Sie fand immer die richtigen Worte und Gesten für mich und für meine Partnerin. Frau Manuela Bleichenbacher, hat viel dazu beigetragen, dass ich zuversichtlich meinen Lebensweg weitergehen kann.»

Luzern, November 2020 V. V.